c/o pop 2014 – Nick Waterhouse

Köln zeigt sich heute Abend wahrhaftig nicht von seiner schönsten Seite – grauer Himmel und regelmäßige Regenschauer vermiesen einem ein wenig die Konzertlaune. Auch die mäßig gemütliche Location, der Club Bahnhof Ehrenfeld, kann da nicht helfen. Dennoch: eine erstaunliche Menge an Menschen hat sich eingefunden, um einen Abend mit einem der interessantesten Retro-Soul-Acts der letzten Jahre zu verbringen. Das Nick Waterhouse mich mit seinen Alben extrem begeistert hat, ist kein Geheimnis. Nun bin ich gespannt, wie er die ausgefeilten und auf vielen Musikern aufbauenden Arrangements auf Live-Konzerte übertragen will.

Ton Steine Schreben

c/o pop 2014 – Ton Steine Scherben

Um die Geschichte von Ton Steine Scherben zu erklären, müsste ich einen Roman schreiben. Von der Ausbeutung durch die Linke Bewegung in den 1960er und 70er Jahren, die sie zur unbezahlten Hausband machen wollte. Von der Auswanderung nach Nordfriesland, um die künstlerische Freiheit wiederzuerlangen. Vom Schuldenhaufen, der letztlich 1985 zur Auflösung führte und die Solo-Karriere von Rio Reiser motivierte. Und von den Unmengen an Menschen, die an dieser Band mitgewirkt haben. Da aber mittlerweile unzählige Bücher und Dokumentationen zu dem Thema erschienen sind, kann ich mir das sparen.

The Sigourny Weavers – Blockbuster

Das zweite Album „Blockbuster“ zu nennen, zeugt von einem gesunden Selbstbewusstsein – oder aber ist Ausdruck einer wie auch immer ausgeprägten Hollywood-Affinität innerhalb dieser schwedischen Band. Schließlich ist die Namensgeberin des Quintetts eine der Ikonen des US-amerikanischen Kinos des späten 20. Jahrhunderts, die mit „Alien“ und „Ghostbusters“ dann auch tatsächlich an einigen Kassenschlagern mitgewirkt hat. 30 Jahre nach dem letztgenannten Film kommen nun The Sigourney Weavers mit ihrem „Blockbuster“ daher.

BANKS, Gloria Theater Köln

Eine Überzahl an hübsch gekleideten Mädchen tummelt sich am sommerlichen Donnerstagabend im Kölner Gloria-Theater. Die männlichen Vertreter sind rar, und wenn, dann nur als Begleitung ihrer Freundin zu erblicken oder kollektiv in testosterongesteuerter Runde, um die schöne Jillian Banks anzuhimmeln.

Bonaparte – Bonaparte

Obwohl „Bonaparte“ bereits das vierte Studioalbum der in Berlin ansässigen Electro-Punk-Whatever-Combo um den Schweizer Tobias Jundt ist, hatte ich Bonaparte nie so richtig in meinem Fokus. Auch wenn ich zu früheren Hits wie „Anti Anti“ natürlich auch schon mal das Tanzbein geschwungen hatte – da führte zumindest temporär schließlich kaum ein Weg dran vorbei. Ebenso kam ich bereits in den Genuss, eine der exzentrischen und wild kostümierten Liveshows der Band besuchen zu dürfen. In solchen Kontexten funktioniert Bonaparte dann auch mehr als gut und man kann die gewachsene Popularität der Gruppe nachvollziehen.

Douglas Dare, Whelm

Eigentlich ist Douglas Dare ein Gedichteschreiber. Und ein Geschichtenerzähler. Seine wohlbedachten Worte verpackt er in Versform, dann hüllt er sie in die atmosphärischen Klänge eines Grand Pianos ein. Hervorgekommen sind dabei zehn wunderbare Stücke Musik, die auf seinem Debütalbum „Whelm“ zu finden sind. Die bereits im vergangenen Herbst erschienene EP „Seven Hours“ ließ Großes erahnen – und Dare setzt nun fort, was dort begann. Beim Independent-Label Erased Tapes Records befindet er sich damit neben Nils Frahm und Olafur Arnalds in bester Gesellschaft.

The Faint – Doom Abuse

So richtig damit gerechnet hatte man eigentlich nicht mehr, doch sechs Jahre nach Fasciinatiion und zwei Jahre nach dem EP-Lebenszeichen „Evil Voices“ melden sich The Faint mit einem neuen Album zurück. Das tatsächliche Erscheinen des Albums wirkt dabei fast überraschender als der Sound der Platte: „Doom Abuse“ ruft bereits beim ersten Hören vergessen geglaubte Erinnerungen an die frühen Jahre des aktuellen Jahrtausends, als Indie-Disko noch nicht abwertend verstanden wurde und der bewegungsfaule Rezensent zu den Hits der Band wie „Agenda Suicide“ oder „I Disappear“ erfolglos aber euphorisch versuchte, das Tanzen zu erlernen, ins Gedächtnis zurück.