All posts by Dominik Mercier

Illegale Farben – s/t

Rezensionen über Alben von Label-Kollegen zu schreiben, ist manchmal schwierig. Feiert man die Platte zu sehr, kann das den Eindruck von Klüngelei oder einer Gefälligkeit erwecken. Deshalb gleich vorneweg: Die folgende Lobhudelei hätte nicht anders ausgesehen, würde das Debüt der Illegalen Farben nicht via Rookie Records erscheinen.

Hey Ruin – Irgendwas mit Dschungel

Das Debüt der ehemals in Trier ansässigen Band klingt weniger fatalistisch als der Bandname es vermuten lässt. Verzerrter Bass und Moll-Gitarren bilden das Fundament des verspielten Mid-Tempo-Punks, der teilweise an Fjort erinnert – allerdings mit stärkerem 1990er-Jahre Emo-Einfluss und schwächer ausgeprägter Hardcore-Kante. Darüber läuft je nach Sänger mehr oder weniger heiserer Gesang, der oft genug Ohrwurm-Charakter bietet, ohne plump oder anbiedernd zu wirken.

Turbostaat – Abalonia

Nach 16 Jahren und fünf Studioalben wagen Turbostaat mit ihrem sechsten Werk den Schritt zu einer zusammenhängenden Narration. „Abalonia“ erzählt in zehn Liedern die fiktive Geschichte der Frau Semona, die ihr ursprüngliches Umfeld verlässt und sich auf die Suche nach einem lebenswerten Ort begibt: „Denn alles ist besser als der Tod“.

Wanda – Bussi

2014 stellen Wanda mit ihrem Debütalbum „Amore“ mal eben so die deutschsprachige Musikwelt vollständig auf den Kopf. Der Vorgänger zu „Bussi“ reiht Hit an Hit und bringt unzählige Hörer nach „Bologna“ oder „Kairo Downtown“. Der Fünfer um den charismatischen Sänger Marco Michael Wanda spielt sich innerhalb kürzester Zeit vom liebestollen Geheimtipp zum polarisierenden Hype, den man eben einfach mag oder wirklich schlimm findet – aber an dem man keinesfalls so einfach vorbeikommt. Nebenbei erlebt der Austropop unter maßgeblicher Beteiligung der Wiener Band eine andauernde Renaissance und Wanda wird von der Musikpresse zur vielleicht letzten wichtigen Rock’n’Roll-Band unserer Generation hochstilisiert.

Freiburg – Brief & Siegel

Nach dem gelungenen Debütalbum „High Five Zukunft“ und dem starken Zweitwerk „Aufbruch“ erscheint mit „Brief & Siegel“ das viel erwartete dritte Album des Gütersloher Punkquartetts Freiburg. Benannt nach einem – wie wir finden – großartigen Tocotronic-Song klingt der Vierer jedoch seit jeher eher nach norddeutschem Punk, wie man ihn von Jens Rachut-Bands oder den frühen Turbostaat kennt, als nach Tocotronic oder Hamburger Schule.

As Friends Rust – Greatest Hits?

Vorneweg: Ich bin prinzipiell kein großer Freund von Greatest-Hits-Zusammenstellungen. Langjährige Fans der Interpreten werden in den meisten Fällen die Vielzahl der Songs bereits besitzen und als interessierter Neuling sollte man meiner Meinung nach wohl besser mit einer „normalen“ Veröffentlichung ins Werk der jeweiligen Künstler einsteigen.

The Sigourny Weavers – Blockbuster

Das zweite Album „Blockbuster“ zu nennen, zeugt von einem gesunden Selbstbewusstsein – oder aber ist Ausdruck einer wie auch immer ausgeprägten Hollywood-Affinität innerhalb dieser schwedischen Band. Schließlich ist die Namensgeberin des Quintetts eine der Ikonen des US-amerikanischen Kinos des späten 20. Jahrhunderts, die mit „Alien“ und „Ghostbusters“ dann auch tatsächlich an einigen Kassenschlagern mitgewirkt hat. 30 Jahre nach dem letztgenannten Film kommen nun The Sigourney Weavers mit ihrem „Blockbuster“ daher.

Bonaparte – Bonaparte

Obwohl „Bonaparte“ bereits das vierte Studioalbum der in Berlin ansässigen Electro-Punk-Whatever-Combo um den Schweizer Tobias Jundt ist, hatte ich Bonaparte nie so richtig in meinem Fokus. Auch wenn ich zu früheren Hits wie „Anti Anti“ natürlich auch schon mal das Tanzbein geschwungen hatte – da führte zumindest temporär schließlich kaum ein Weg dran vorbei. Ebenso kam ich bereits in den Genuss, eine der exzentrischen und wild kostümierten Liveshows der Band besuchen zu dürfen. In solchen Kontexten funktioniert Bonaparte dann auch mehr als gut und man kann die gewachsene Popularität der Gruppe nachvollziehen.

The Faint – Doom Abuse

So richtig damit gerechnet hatte man eigentlich nicht mehr, doch sechs Jahre nach Fasciinatiion und zwei Jahre nach dem EP-Lebenszeichen „Evil Voices“ melden sich The Faint mit einem neuen Album zurück. Das tatsächliche Erscheinen des Albums wirkt dabei fast überraschender als der Sound der Platte: „Doom Abuse“ ruft bereits beim ersten Hören vergessen geglaubte Erinnerungen an die frühen Jahre des aktuellen Jahrtausends, als Indie-Disko noch nicht abwertend verstanden wurde und der bewegungsfaule Rezensent zu den Hits der Band wie „Agenda Suicide“ oder „I Disappear“ erfolglos aber euphorisch versuchte, das Tanzen zu erlernen, ins Gedächtnis zurück.

Herr Berlin – Decoder

Es ist gerade erst zwei Wochen her, dass Crazewire Herausgeber Lasse Paulus der Trierer Musikszene attestierte, dass in ihr zumindest gefühlt mehr passiert als im Kreise der Musikschaffenden seiner Wahlheimat Düsseldorf. Passend dazu steht mit „Decoder“ die nächste Veröffentlichung aus der kreativ scheinbar aufstrebenden Moselprovinz an.