As We Go – Stumble and Stand

Es kommt wirklich nicht häufig vor, und in den vergangenen Jahren noch viel viel seltener, dass ich so vollkommen unerwartet eine Band entdecke, sie mir anhöre und mich nach zwei Wochen noch an den Namen erinnere, sodass ich im Anschluss auch bewusst nach ihr suchen kann.

Das mag jetzt ein wenig nach vollkommener Musikverdrossenheit klingen, aber bei all den Bands, Eindrücken, Reizen und teilweise sogar echtem Schrott, der einem so täglich um die Ohren fliegt, schlägt mein Echolot nur noch äußerst selten aus. Umso schöner ist nun diese Geschichte:

Ich, Montagmorgen – ihr mögt eine wage Vorstellung davon haben wie man sich an so einem Tag fühlt – sitze in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Sowohl mein Gehirn als auch mein Körper sind aktuell noch zu keiner Art von Kommunikation bereit, warum auch? Dass der Typ vor mir eine tierische Alkoholfahne hat, behalte ich freundlicherweise für mich und ansonsten schaut hier auch sonst keiner so wirklich interaktionsgeil aus. Was also tun? Lösung: Smartphone.

In wilder Reihenfolge öffne ich alle jene Apps, die mich unterhalten sollen, schnell bitte! Facebook, Instagram, kurz E-Mails checken – doch es passiert einfach nichts. Warum mir schließlich völlig unerwartet die Band As We Go auf Facebook vorgeschlagen wird, weiß ich selbst nicht und unter normalen Bedingungen reagiere ich auf diese Vorschläge wirklich nie (NIEMALS), aber hier ist es dieses Cover, dass mich anspricht. Ziemlich blau, ziemlich gelb, ziemlich farbig aber absolut nicht bunt und dann diese Figuren. An diesem Morgen erinnern sie mich schlagartig an Tim und Struppi. Bei späterem Hinsehen, erkenne ich die Lagerfeuer-Romantik zweier Personen, gezogen von Fäden, wie Marionetten, die sich gegenüber sitzen und einander erzählen – „Stumble and Stand“ wie passend und in Gedanken sofort bei jener Puppenkiste.

Aber nun zu As We Go. Die Kölner Formation ist bedeutend jünger als ich erwartet hatte. 2013 gegründet ist „Stumble and Stand“ das erste Album der fünf Musiker und klingt so herrlich rotzig und harmonisch nach genau dem Punkrock der späten 1990er- oder frühen 2000er-Jahre. Schon der Opener „All Things Fall Apart“ läutet ein, was sich durch den Rest der elf Tracks ziehen wird. Die rauchige, kaputte Stimme von Sänger Björn ist ganz sicher das Markenzeichen der Band, auch wenn das Klangbild durch Szenengrößen wie Chuck Ragan nicht unbekannt ist, so ist es doch eher selten und hilft sehr beim „erinnern“ an die Band. Ich für meinen Teil, springe zumindest voll darauf an und fühle mich von der Power der Band sofort abgeholt und verstanden. Endlich wieder ohne Überforderung Musik hören – Danke hierfür!

As We Go liefern mit „Stumble and Stand“ knappe 35 Minuten handgemachtes Lebensgefühl über Punkrock und Hardcore, animieren zum mittanzen und singen. Dem verkorksten Leben einfach mal ein motiviertes „Fick Dich“ entgegenwerfen und die Dinge machen, die man liebt. Fünf Typen, Jungs, Männer, die Bock haben Musik zu machen und den Sound vergangener Jahre wiederbelebt haben.

Es dürfen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, Vergleiche mit Bands wie Hot Water Music, The Loved Ones, Nothington oder Ähnlichem gezogen werden und obwohl hier weder der Punkrock neu erfunden wird noch die Inhalte Revolutionen auslösen, so ist „Stumble and Stand“ für mich persönlich bisher eines der besten Alben in diesem Jahr. Dieser Montagmorgen in der Regionalbahn und meine eigenen kleinen Probleme tragen dazu ganz sicher eine ordentliche Portion bei, aber das ist schon okay, weil bei Musik geht es doch um Emotionen und Empfindungen die ausgelöst werden.

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Video: As We Go – „All Things Fall Apart“