Melvins – Basses Loaded

Die Melvins sind wie Spinal Tap, bloß mit Bassisten. Dauernd ist einer wieder weg. Über all die Jahre hat sich da so einiges an Ex-Bassern angesammelt. Unter anderem, Matt Lukin von Mudhoney, Kevin Rutmanis von The Cows und die Tochter von Shirley Temple. Da die Melvins, als Kern, eine seit mehr als 20 Jahren funktionierende Ehe führen, muss man das mit den Bassisten wohl als eine Art Swinger-Attitüde sehen, um die Säfte am Fließen zu halten.

Jetzt also ein Album mit gleich sechs Bassern (was ist eigentlich mit Big Business? Kollaboration vorbei?), konsequenterweise „Basses Loaded“ betitelt. Der Sound, die Songs, der Groove der Songs machen ironischerweise klar, wie egal es ist, wer gerade den Bass bedient. Gut, mit dem einen werden vielleicht andere Facetten beleuchtet als mit dem nächsten, aber Die Melvins sind Buzz und Dale. Es gibt den bekannten und geliebten Weirdo-Metal, wie gehabt.

Dieses Mal vielleicht ein wenig straighter, vieles tendiert Richtung Hard-Rock auf LSD (einiges klingt auf verstörende Weise, wie ein T-Rex Demo aus der Hölle), aber das ist bei den Melvins auch nichts Neues, ihre perverse Lust an Alice Cooper und Kiss haben sie schließlich nie verheimlicht. Bei den mir am besten gefallenden Songs steht jedoch dieser ganz besondere Melvins- Bulldozer-Groove im Vordergrund. Die Rhythmik ist mit spitzer Feder ausformuliert und knallt doch wie eine verdammte Abrissbirne. Verrückt. Das kann sonst wirklich keiner.

Ich glaube, die Kunst ist, das Dale Crover trotz seiner Synkopen und der krummen Takte stets irgendwie trotzdem ein stampfendes, stoisches Feeling rüberbringt. Etwa: „Captain Come Down“ oder das grandiose „Phyllis Dillard“. So lange die solche Songs haben, wird mir jede Melvins-Platte gefallen. Leider gibt es auch zwei, drei unfassbar nervige Kackstücke (das sind wahrscheinlich die mit dem Typen von Mr. Bungle, ich hab leider nur einen Promolink, daher null Info, welcher Basser bei welchem Stück spielt). Eins davon kommt wenigstens ganz am Schluß (da spielt aber Dale den Bass, so das Internet… Anm. d. Red), bei dem anderen muss man aufstehen und weiterskippen, was mich immer volle Kanne nervt. Ihr wisst doch, dass niemand so einen Klimpermist wirklich ernsthaft hören will. Also lasst es weg, verdammt. Wenn ich Melvins-Humor haben will, dann schau ich mir ein Interview mit Buzz auf YouTube an.

Einige Stücke erfahren eine Zweitverwertung, etwa Beer Hippy (Hardrocksong !) und Decay of Lying (epischer Monsterrefrain!), die es in einer (besseren) Version auch schon auf einer dieser unerschwinglichen AmRep 7“es gab. Die dürfte aber eh keiner haben, daher geht der Ausverkaufsvorwurf ins Leere. Die Melvins machen eh, was sie wollen. Deswegen gibt es sie ja noch. Im Gegensatz zu Nirvana.
(Text: Erik Hilt)

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Video: Melvins – „Hideous Woman“